
Warum alle in der Schweiz arbeiten wollen
Im ersten Winter habe ich jeden Monat auf den Lohnzettel geschaut, als wäre er ein Lottoschein. So viel hatte ich in der Küche noch nie verdient.
Dann kamen Zimmer, Essen, Krankenkasse und Steuern dazu. Es blieb immer noch mehr als zu Hause. Aber nicht so viel, wie ich am Anfang gedacht hatte.
Eine erdachte Stimme. So ähnlich erzählen es Saisonkräfte nach ihrem ersten Winter in den Bergen.Kaum ein Land zieht so viele Bewerbungen aus der Hotellerie an wie die Schweiz. Arbeitgeber in Zermatt, Gstaad oder Lenzerheide bekommen für eine Stelle oft Dutzende Zuschriften, manche bitten inzwischen, weniger zu schicken.
Der Grund ist einfach: Der Mindestlohn im Gastgewerbe liegt deutlich über dem, was Österreich oder Deutschland zahlen. Dazu kommt oft ein Zimmer. Wir rechnen ehrlich nach, was das bedeutet, und sagen dir, was du vor dem Start wissen musst.
Was am Monatsende bleibt
Was der Mindestlohn sagt
In der Schweiz regelt der Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV) die Mindestlöhne. Er gilt für fast alle Hotels und Restaurants, auch für Saisonbetriebe. Diese Monatslöhne gelten seit dem 1. Januar 2026 brutto bei Vollzeit, in Saisonbetrieben ab der Sommersaison 2026:
- 3713 FrankenOhne Berufslehre, zum Beispiel Küchenhilfe, Servicekraft oder Zimmerpersonal (Stufe Ia).
- 4070 FrankenMit zweijähriger Grundbildung und Berufsattest (Stufe II).
- 4528 FrankenMit abgeschlossener Lehre, zum Beispiel als Koch oder Köchin (Stufe IIIa).
- 5293 FrankenMit Berufsprüfung (Stufe IV). Praktikanten bekommen mindestens 2390 Franken.
Dazu kommt ein 13. Monatslohn, bei kürzerer Anstellung anteilig. Wer in der Probezeit wieder geht, bekommt ihn nicht.
Kost und Logis: der ehrliche Abzug
Wohnst du im Personalhaus und isst im Betrieb, zieht der Arbeitgeber das vom Lohn ab. Die Obergrenzen kommen aus den Ansätzen der AHV und der Steuerverwaltung: 11.50 Franken pro Tag für das Zimmer, 3.50 für das Frühstück, 10 für das Mittagessen und 8 für das Abendessen. Für einen ganzen Monat mit Zimmer und allen Mahlzeiten sind das höchstens 990 Franken.
Von 3713 Franken bleiben damit vor Sozialabgaben und Steuern rund 2720 Franken. Dafür musst du keine Wohnung suchen, keine Kaution zahlen und nicht einkaufen. In Ferienorten, in denen Wohnungen knapp und teuer sind, ist das ein echter Vorteil.
Foto Wengen: chensiyuan, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons · Iseltwald: Andrew Bossi, CC BY-SA 2.5Schweiz, Österreich, Deutschland im Vergleich
Der Einstiegslohn ohne Ausbildung, brutto, im Gastgewerbe. Stand Oktober 2026.
Schweiz
3713 Fr.im Monat, 13 Löhne im Jahrrund 4000 € bei 1 € = 0,92 Fr. Kost und Logis höchstens 990 Fr. im Monat.
Österreich
2096,50 €im Monat, 14 Gehälter im JahrHilfskräfte, Lohnordnung Tirol ab 1. Oktober 2026. Ein gelernter Koch beginnt bei 2232 €.
Deutschland
13,90 €pro Stunde, gesetzlicher Mindestlohnbei 40 Stunden rund 2410 € im Monat. Ab 2027 sind es 14,60 € pro Stunde.
Die Schweiz zahlt nominal am meisten. Das Leben dort ist aber auch teurer, vor allem in den Ferienorten. Am meisten bleibt, wenn Zimmer und Essen dabei sind und du wenig ausgibst.
Was sind 3713 Franken in deiner Währung?
Gib einen Monatslohn in Franken ein oder tippe auf einen der Mindestlöhne.
Referenzkurse der Europäischen Zentralbank vom 28.10.2026. Kurse ändern sich täglich.
Warum alle nach Zermatt wollen, und wo trotzdem Leute fehlen
Warum die bekannten Orte so beliebt sind
- 1Der Name: Eine Saison in Zermatt, St. Moritz oder Gstaad macht sich gut im Lebenslauf.
- 2Internationale Gäste und Teams, oft mit Englisch im Alltag.
- 3Große Häuser mit Personalhaus, oft über dem Mindestlohn.
- 4Viele kennen nur diese Namen und bewerben sich deshalb alle dort.
Wo deine Chancen oft besser sind
- Kleinere Orte und Täler, die weniger bekannt sind.
- Küche: Köche und Chefs de Partie werden fast überall gesucht.
- Housekeeping und Hilfskräfte, besonders vor dem Saisonstart.
- Wer Deutsch oder Französisch spricht, hat in der Region einen klaren Vorteil.
Dein Fahrplan in die Schweiz
Was du als EU-Bürger wissen musst
Bewilligung
Bis drei Monate meldet dich der Arbeitgeber online an. Für 3 bis 12 Monate bekommst du eine Kurzaufenthaltsbewilligung L, ab einem Jahr eine Bewilligung B. Für EU- und EFTA-Bürger gibt es keine Kontingente.
Anmeldung
Melde dich innerhalb von 14 Tagen bei der Gemeinde an, in jedem Fall vor dem ersten Arbeitstag.
Krankenkasse
Wer in der Schweiz arbeitet, muss sich innerhalb von drei Monaten bei einer Schweizer Krankenkasse versichern. Für die Anreise und die ersten Wochen brauchst du trotzdem Schutz.
Quellensteuer
Mit Bewilligung L oder B zieht der Arbeitgeber die Steuer meist direkt vom Lohn ab. Die Höhe hängt vom Kanton und deiner Lage ab.
Stellenmeldepflicht
Manche Stellen muss der Betrieb zuerst dem Arbeitsamt (RAV) melden, seit 2026 auch für Köche und Reinigungspersonal. Erst danach darf er sie öffentlich ausschreiben. Deshalb dauert eine Zusage manchmal ein paar Tage länger.
Sprache
Im Wallis und Graubünden zählt oft Deutsch, im Westen Französisch, im Tessin Italienisch. In großen Hotels reicht manchmal Englisch.
Quellen: L-GAV Gastgewerbe, Einlageblatt Mindestlöhne 2026 (l-gav.ch); GastroSuisse, Mindestlöhne 2026; Ansätze für Naturalbezüge von AHV und Steuerverwaltung; arbeit.swiss, Stellenmeldepflicht ab 2026; WKO, Lohnordnung Gastronomie und Hotellerie Tirol ab 1.10.2026; Mindestlohngesetz Deutschland; Wechselkurs EUR/CHF vom 28.10.2026. Keine Rechts- oder Steuerberatung.
Lohnt sich die Schweiz?
Für viele ja, aber nicht wegen der großen Zahl auf dem Vertrag. Es lohnt sich, wenn Zimmer und Essen dabei sind, wenn du eine ganze Saison bleibst und wenn du nicht jeden Franken im Ort wieder ausgibst.
Dann bleibt am Ende spürbar mehr als in Österreich oder Deutschland, und du hast eine Saison in den Bergen erlebt. Die Stellen unten sind aktuell, mit Unterkunft und direkt beim Betrieb.
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